Noch ein Toter?


„Sind wir ihr entkommen?“ frage Naomi keuchend. Neben ihr standen Yuka und Kimiko, welche ebenfalls ziemlich außer Puste waren. Sie waren immerhin gerade vor einem Geist geflüchtet. „Ich verstehe nicht, warum Suzumoto sowas machen sollte…“ seufzte Naomi und ließ sich die Wand hinunter gleiten. Sie verstand immer noch nicht, warum ihre Freundin ein böser Geist geworden war! Sie war doch sonst immer ein so nettes Mädchen gewesen, warum also… Kimiko seufzte. „Ich habe mit einigen Geistern geredet… Diese Schule macht wohl selbst die nettesten Leute zu boshaften Geistern…“ murmelte sie. „Wir sollten nicht zu lange hier bleiben, sonst findet uns noch eine andere Gefahr“ schlug sie vor und Naomi erhob sich sofort. Kimiko hatte Recht, es war zu gefährlich hier. Naomi sah zu Yuka, welche schniefend neben ihr stand. „I…ich muss… noch immer Pipi“ schniefte sie. Kimiko ließ nur ein genervtes Seufzen hören. Diese Kleine war echt nervig, sie konnte kaum glauben, dass sie angeblich schon 15 Jahre alt war! „Gut, dann suchen wir eine Toilette für dich…“, lenkte Kimiko ein. Je schneller das erledigt war, umso schneller gab dieses kleine Balg hoffentlich Ruhe! Sofort machten sich die 3 auf die Suche nach einer funktionierenden Toilette für die kleine Yuka.

Satoshi irrte alleine durch die dunklen Gänge der Heavenly Host Elementary School. Seit er Kimiko aus den Augen verloren hatte, war er niemandem mehr begegnet. Wo waren nur seine Freunde, und war Yuka okay? Besorgt sah er sich um, er rief immer wieder die Namen seiner Freunde, doch niemand antwortete. „Warum ist hier niemand…?“ fragte er sich betrübt. „Onii-san! Pass auf!“ Satoshi schrak auf als er eine Stimme hörte und blieb sofort stehen. Vor ihm war ein riesiges Loch im Boden, und er hatte es doch tatsächlich nicht gesehen! Er war dankbar, dass diese Mädchenstimme ihn aufgehalten hatte. Sie kam ihm auch bekannt vor, jetzt wo er so nachdachte. Langsam drehte er sich um und blickte in die schwarzen Augen der kleinen Sachiko Shinozaki, des Geistermädchens, welches sie eigentlich erlöst hatten, das Mädchen, welches ihre Freunde auf dem Gewissen hatte. Satoshi wich erschrocken einen Schritt zurück, doch blieb stehen als er sich an das Loch erinnerte. „S…sachiko?“ Das Mädchen sah den Jungen schüchtern durch ihre langen Stirnfransen an. „Hab keine Angst, ich bin kein böser Geist mehr… ihr habt mich befreit. Aber die Schule hat sich einen neuen Host ausgesucht.“, erklärte das Mädchen vorsichtig. Sie wusste, dass Satoshi ihr vielleicht nicht traute, da sie ja viele Morde begangen hatte… Satoshi war ruhig, er sah Sachiko nur an, ehe er sich zu ihr hinkniete und ihr sanft durch das Haar strich. „Ich glaube dir Sachiko. Kannst du mir etwas über den neuen Host sagen?“ Das schwarzhaarige Mädchen nickte sofort. „Es ist jemand den ihr kennt! Ich wollte es schon Ayumi und Yoshiki sagen, aber ich kam irgendwie nicht dazu.“, murmelte sie traurig. Satoshi lächelte. „Hey, sag schon. Ich höre dir zu Sachiko.“ Das Shinozakimädchen blickte verwundert zu dem Jungen, lächelte dann aber. „Es ist Seiko! Seiko Shinohara ist der neue Host!“ Geschockt weitete Satoshi die Augen. Shinohara? Naomis beste Freundin? Er erinnerte sich an Seikos leblosen Körper wie er von der Decke hing. Er schüttelte schnell seinen Kopf. „Sachiko! Bist du dir sicher?!“ fragte er besorgt. Sachiko nickte. „Ja, hundert Prozent. Die Schule hat ihren Geist verunreinigt, auch wenn sie Naomi nicht gehasst hatte… nun hasst sei euch alle, da der Fluch der Schule sie gefangen hält. Wir brauchen das Buch der Schatten um die Schule ein für alle Mal zu vernichten… Aber ich bin leider nicht mehr im Besitz des Buches…“ Sie machte sich selbst Sorgen, immerhin waren die anderen nur hier, weil wegen ihrer Familie eine Freundin zu einem bösen Geist wurde. Satoshi lächelte wieder sanft, er erhob sich und nahm sanft Sachikos Hand. „Komm, wir suchen zusammen, okay?“ Sachiko war verwundert über diese nette Geste, doch sofort machte sie sich auf den Weg mit Satoshi. Sie mussten das Buch der Schatten finden! Sonst waren sie alle hier in dieser schrecklichen Geisterdimension gefangen!

Im Forschungslabor stand Yoshiki immer noch geschockt und blickte auf das Namensschild von Morishiges Schwester. Das konnte doch nur eines heißen! Ayumi war besorgt, da Yoshiki schon länger nichts gesagt hatte und stellte sich zu ihm. „Was ist Kishinuma?“ fragte sie vorsichtig nach. Er sagte nichts, sondern zeigte ihr nur das Namensschild. Geschockt riss nun auch Ayumi die Augen auf. „Morishiges Schwester? Aber… so viel Blut! Sie ist doch nicht?!“ Ayumi traute sich gar nicht zu fragen, Yoshiki knurrte nur sauer ehe er auf den Tisch vor sich schlug. „Verdammt! Ich hab Morishige doch versprochen, sie zu schützen!“ Ayumi merkte sofort auf. „Wir… Wir haben zwar ihre ID hier, aber sie selbst ist nicht hier! Vielleicht konnte sie fliehen und hat dabei nur das Namensschild verloren!“ Sie versuchte damit sich selbst und Kishinuma aufzuheitern. Sie durften nicht so negativ denken, Morishiges Schwester lebte sicher noch… Zumindest redete sich Ayumi das auch weiterhin ein. Das war die einzige Möglichkeit für sie, nicht ganz den Verstand zu verlieren. Yoshiki seufzte etwas, nickte aber dann. „Du hast Recht, so lange sie hier nicht ist, ist es nicht gesagt, dass sie tot ist.“ Ayumi lächelte ihm sanft zu, schrak aber auf als sie das Quietschen der alten Holztüre hörte. Geschockt sah sie zum Eingang des Forschungslabores, doch sie wurde wieder ruhig, als ein rothaariges Mädchen den Raum betrat. Sie kannte sie, sie war eine Freundin von Morishiges Schwester! „Naikawa-san, richtig? Ein Glück geht es dir gut! Hast du Morishige-chan gesehen?“ fragte Ayumi, doch Rina antwortete nicht, sie ging nur langsam auf Ayumi zu. Sofort stellte sich Yoshiki schützend vor seine Liebe. „Shinozaki, pass auf. Ich glaube nicht, dass sie noch normal ist!“ Wie auf Kommando ging Rina auch schon auf Yoshiki und Ayumi los, in ihrer Hand hatte sie eine spitze Nadel aus dem Krankenzimmer, welche schon blutgetränkt war. Sofort lief Yoshiki zu dem zweiten Ausgang und zog Shinozaki mit sich. Sie mussten so schnell wie möglich von hier fliehen, sonst waren sie selbst Geschichte! „Bleib stehen Kishinuma~ Ich will doch nur einen Kuss~“ rief Rina ihnen hinterher. Yoshiki war geschockt. Wie tickte den die Alte? Er kannte sie nicht mal richtig, und die wollte einen Kuss? War sie denn total loco? Er würde sicher nicht stehen bleiben. Ayumi lief keuchend hinter ihm her, sie konnte wohl nicht mehr. Ihre Kondition war bei weitem nicht so stark wie Yoshikis, und das wusste er auch. Er sah besorgt zu Ayumi und blieb stehen. „Shinozaki, hör mir zu! Lauf weiter! Ich lenke sie ab!“ Mit diesen Worten sprintete Yoshiki ums Eck, dicht gefolgt von Rina. Ayumi sah ihm nur nach. „Kishinuma-kun…“, meinte sie besorgt und sah ihrem Klassenkameraden nach. Schon wieder opferte er sich für sie. Sie musste ihm helfen! Nur wie? „Shinozaki!“ Ayumi drehte sich um als sie ihren Namen hörte. „Mochida-kun!“, rief sie erleichtert und lief auf ihn und Sachiko zu. „Du hast Sachiko gefunden!“ meinte sie erleichtert. „Wir sollten Kishinuma nach…“ warf Sachiko besorgt ein. Sofort wusste Ayumi wieder, was los war. „Ja! Eine Freundin von Morishiges Schwester ist durchgedreht und jagt ihn! Sie hat eine Waffe bei sich! Wir müssen ihn retten!“ Satoshi nickte sofort und machte sich mit den beiden Mädchen auf den Weg, Yoshiki und Rina hinterher. Hoffentlich ging es seinem Kumpel gut, aber Yoshiki war stark, er konnte sich schon wehren!

„Verdammte Scheiße! Lass mich in Ruhe du Psychobitch!“ rief Yoshiki während er weiter vor Rina davon lief. Sie rief ihn die ganze Zeit Namen wie Bärchen oder Schnuckelchen. Sie war wohl echt nicht ganz dicht! Er durfte aber nicht aufhören zu laufen! Er musste Shinozaki schützen, nur deswegen war er überhaupt bereit, sich in so eine Gefahr zu begeben. Plötzlich bremste er sich ein. Vor ihm war eine riesige Wand. „Verdammt! Wo kommt die denn her?“ fragte er sich selbst wütend und schlug dagegen. Mann! Was sollte das, so war das nicht geplant gewesen! Er drehte sich um und sah in Rinas Gesicht. Sie hatte ein breites, sehr verrücktes Lächeln im Gesicht, ihre Augen wirkten leer und verrückt. „Bärchen, endlich bist du stehen geblieben! Komm, lass uns kuscheln~“ sagte sie sanft, ehe sie los lief, direkt auf Yoshiki zu.

„Ahhhhhhh!“ Geschockt blieben Ayumi, Sachiko und Satoshi stehen als sie diesen Schrei vernahmen. Das war doch…! „Kishinuma-kun!“ schrie Ayumi auf und lief sofort weiter. Ihm durfte nichts passiert sein! Nein, nicht ihm! Er hatte sie doch nur beschützt! Sie würde es sich nie verzeihen, wenn ihm etwas passieren würde! Warum nur? Warum war sie so schwach? Warum musste Kishinuma immer wieder sein Leben aufs Spiel setzen nur um sie zu retten. „Kishinuma-kun, bitte sei heil!“ sagte sie zu sich selbst. Sie würde netter zu ihm sein! Das nahm sie sich nun fest vor, sie würde ihm danken für seine Hilfe, sie würde ihn nicht ständig anschreien! Sie wollte ihr verhalten wieder gut machen, aber er musste leben! Sie blickte auf und sah Rinas Gestalt nicht mehr weit von ihr. „Ich komme, Kishinuma-kun!“