Willkommen in der Horrorschule


„Sensei! Sieh mal! Der Stand hier hat hübsche Anhänger!“ „Komm Kaori-chan, gehen wir zu dem Gruselkabinett!“ „Mo-chan! Ich habe gehört in der Klasse 2-9 gibt es ein Maid Cafe!“ Ja, hier wimmelten gerade ziemlich viele Stimmen durcheinander, hier an der Kisaragi Senior High School. Es war das Kisaragi Festival welches jedes Jahr um diese Zeit stattfand. Jede Klasse der Schule hatte etwas Besonderes vorbereitet und viele andere Schulen aus der Region kamen, um sich hier zu amüsieren. So auch Schüler der Byakudan und Minazuki Senior High School. An einem Stand, an welchem es leckerer Zuckerwatte gab, tummelten sich gerade Schüler der letzteren Schule. „Kimi-chan~ magst du auch was?“ fragte ein verspieltes Mädchen mit langen weißen Haaren. Neben ihr stand eine etwas ältere junge Dame mit langem roten Haar. „Lass sie doch, du weißt, sie mag Süßes nicht so“ Während die beiden Mädchen weiter diskutierten sah Kimiko etwas besorgt zu dem Schulgebäude. Irgendwas regte sich da in ihr… Doch was nur?

Plötzlich wurde der Schülerin schwindlig, sie hielt sich ihren Kopf. Geplagt sah sie auf, doch was sie sah schockierte sie. Vor ihr war nicht mehr die Kisaragi Senior High School, vor ihr war ein altes, hölzernes, verfallenes Schulgebäude. Aber das war nicht alles, rund um diese Schule, dieses komische rote Etwas, was war es nur? Geschockt wich sie einen Schritt zurück. „W…was ist das nur…?“ fragte sie sich selbst leise. ‚Verschwinde… bevor es zu spät ist… verschwinde Kimiko…‘ Diese Stimme… das war doch…

„Kimi-chan! Hey, Kimiko-chan!“ Besorgt rüttelte das Mädchen mit langen weißen Haaren ihre Freundin, welche erst nicht reagierte, doch plötzlich sah sie in die blauen Augen ihrer Freundin Kimiko. „W…was ist passiert?“ Sie war doch gerade noch wo anders gewesen, ihr wurde jetzt noch ganz anderes, wenn sie an diesen Ort dachte… „Du warst auf einmal nicht mehr ansprechbar und hast nur die ganze Zeit auf das Schulgebäude gestarrt… Wir haben uns Sorgen um dich gemacht.“ Kimiko seufzte kurz. „Es tut mir Leid Rina-chan und Akiza-chan… Ich weiß auch nicht was das war…“ murmelte das ebenfalls weißhaarige Mädchen mit schulterlangen Haaren. Ihre Gedanken waren noch Halb bei diesem komischen Ort. Es war so echt gewesen, als wäre sie wirklich wo anders gewesen… Sie erinnerte sich genau an den Geruch nach Verfall und Verwesung. Sie wusste noch wie es war auf diesem roten Schleim zu stehen, welcher die Schule umgab. Und die Stimme… sie kannte diese Stimme, doch nur von wo her? „Egal, nun da Kimiko wieder fit ist, gehen wir rein ins Teehaus! Es ist in der Klasse 3-9!“ Akiza, die weißhaarige Freundin von Kimiko, packte das Mädchen einfach bei der Hand und zog sie mit in das Gebäude, dicht gefolgt von Rina. „Leute… können wir nicht draußen bleiben? Ich… habe ein ungutes Gefühl…“ murmelte Kimiko leise, Rina sah zu ihr. „Hey, das ist nur eine Schule, so wie unsere, was soll hier schon passieren?“ meinte sie aufheiternd, doch das wirkte nur kurz, denn Akiza machte es auch so gleich wieder zunichte. „Mh~ Ich hab gehört die haben die Schule hier auf dem Grund einer niedergerissenen Grundschule gebaut. In eben dieser, Heavenly Host Elementary School hieß sie, sind Kinder ermordet worden!“ Tja, Akiza war ein Meister wenn es darum ging anderen Angst zu machen, und sie machte das ja auch zu gerne. Rina seufzte etwas genervt, wobei, es war nicht nur etwas, sonder sehr genervt. „Mach ihr doch nicht Angst! Willst du, dass sie einen Herzinfarkt bekommt? Sie hat doch vor einem Jahr erst ihr neues Herz bekommen, willst du ihr das kaputt machen, dumme Nuss?“ „Hey! Nenn mich nicht so Miss Eisklotz!“ „Ähm… Leute, wir sind da…“ warf Kimiko mal eben in das Wortgefecht ein und deutete auf das Klassenschild auf welchem 3-9 stand. Die beiden Streithähne sahen sich an, dann sahen sie zu Kimiko und kratzten sich verlegen am Hinterkopf. „Gehen wir rein…“ meinte Kimiko ruhig und schob da auch schon die Tür auf. Der Klassenraum war hübsch geschmückt, mit bunten Girlanden, an der Tafel befanden sich hübsche Zeichnungen und auch die Tische waren mit kleinen Blumensträußen und dazu passenden Tischdecken gedeckt. „Ah~ Hier gibt’s ja auch Süßkram zum Tee!“ warf Akiza begeistert in den Raum, worauf sich Rina nur genervt an die Stirn fasste. Manchmal schämte sie sich echt für ihre Freundin…

„Willkommen im Kisaragi Teehaus!“ Die Drei angesprochenen Blickten auf. Vor ihnen stand ein junger Mann im Butlerkostüm, seine Haare waren blond gefärbt. Rina lief sofort rot an, der Typ sah ja sowas von gut aus, und er war genau ihr Beuteschema! „Ich nehme mal an ihr wollte einen Tisch für Drei, nicht wahr? Folgt mir doch!“ Er deutete in eine Richtung und ging dann vor. „Ich bin übrigens Yoshiki Kishinuma. Ihr geht auf die Minazuki Senior High, oder?“ Rina nickte wild als Antwort. „Ja, genau! Mein Name ist Rina Naikawa und das sind meine Freundinnen Akiza Evans und Kimiko Morishige!“ Plötzlich blieb Yoshiki stehen, so das Rina genau in seinen Rücken lief. Etwas verwirrt blickten die drei Mädchen zu ihrem „Butler“, welcher sich zu ihnen gedreht hatte und Kimiko etwas schockiert ansah. „Morishige? Bist du etwa Saku…“ „Kishinuma-kun!“ Yoshiki konnte gar nicht mehr seine Frage zu Ende stellen, da hatte ihn auch schon eine hohe weibliche Stimme unterbrochen. Neben ihnen stand ein junges Mädchen in einem Maid-Dress, ihre Haare waren zu zwei kleinen Zöpfen gebunden. „Shi…shinozaki? Was gibt es?“ fragte er sie verwirrt, er war eben total aus der Bahn geworfen worden… Shinozaki packte ihn am Arm. „Entschuldigt kurz, setzt euch ruhig. Kishinuma-kun ist gleich bei euch“ meinte sie freundlich und zog den Blonden dann mit sich. Verwirrt blickten die 3 Minazuki-Schülerinnen ihnen nach, setzten sich aber dann.

„Kishinuma-kun! Bist du verrückt?“ fragte die blauhaarige ihren Mitschüler. „Was warum? Ich wollte sie doch nur fragen, ob sie Morishiges Schwester ist!“ Ayumi seufzte etwas genervt, warum war Kishinuma nur immer so schwer von Begriff? „Schon vergessen… Jeder der… der vor einem Jahr… gestorben ist… keiner erinnert sich mehr an sie! Es ist als hätten sie nie existiert!“ Es viel der jungen Dame schwer darüber zu reden, immerhin hatte sie vor einem Jahr 3 ihrer Klassenkameraden und Freunde, und ihre Lehrerin verloren… Und das alles nur, weil sie damals diesen dummen Glücksbringer machen wollte! Yoshiki seufzte etwas. „Hey Shinozaki, tut mir echt leid… Ich hab da gar nicht mehr dran gedacht…“ murmelte er. Ihm war das peinlich, hoffentlich dachte sie nicht zu schlecht von ihm deswegen. Sie war doch so schon in Satoshi verknallt, aber er wollte eben dennoch um ihre Liebe kämpfen, doch irgendwie ging immer irgendwas schief…

Eine viertel Stunde später hatten die drei Freundinnen auch endlich ihren Tee und schlürften diesen in Ruhe, zumindest Akiza und Rina. Kimiko sah einfach nur in ihre Tasse, blickte dabei in ihr Spiegelbild. ‚Warum… wollte diese Stimme, dass ich hier verschwinde? Und wer war es… Sie… kam mir so vertraut vor…‘ fragte sich das Mädchen im Gedanken, irgendwas war einfach nicht richtig hier, das spürte sie. „Mh?“ verwirrt blickte sie erneut in ihre Tasse, der Tee darin bewegte sich. Das war merkwürdig, sie hatte doch ganz ruhig gehalten… Da war es auch schon wieder ruhig. „Ich hab mich wohl doch bewegt“ murmelte sie leise zu sich selbst und wollte gerade trinken als. „Hahahahahaha! Lass uns spielen!“ Vor Schreck lies das Mädchen die Tasse fallen und sprang auf. Ihre Augen waren geweitet, ihr stand der Angstschweiß auf der Stirn und nur schwach bemerkte sie die verdatterten Blicke der anderen Leute im Raum. „Kimi-chan? Was ist los?“ fragte Akiza verwirrt, doch Kimiko reagierte darauf nur mit einem abgehackten Satz. „… Mädchen… Blut… rotes Kleid… Tee…“ Nach dem letzten Wort wurde Kimiko still, einige Zeit stand sie so da bis sie plötzlich zu Boden ging. Sie war wohl ohnmächtig geworden.

Etwas geschockt blickte Ayumi zu Kimiko. Hatte sie richtig gehört? Ein Mädchen… ein rotes Kleid? Sie versuchte gerade eben den Satz zusammen zu fassen und sie war sich sicher. Es gab nur ein Mädchen, welches auf diese Beschreibung passte. Sie sah zu ihren ebenfalls etwas versteinerten Freunden. „Kishinuma-kun, Mochida-kun, Nakashima-san! Denkt ihr auch was ich denke?“ Die Drei nickten nur. Bei ihnen allen kamen die Erinnerungen hoch, an den Horror, welchen sie vor einem Jahr erlebt hatten, wie sie glaubten, sie würden nie wieder ihre Eltern sehen, wie sie… ihre Freunde verloren. Naomi erinnerte sich an Seikos Gesicht, als diese leblos von der Decke baumelnd auf der Toilette hing. Ayumi und Yoshiki erinnerten sich an Mayu, welche an eine Wand geschleudert wurde und an Yui-Sensei, welche starb um ihnen zu helfen… und Morishige, welcher sich selbst aus dem Fenster gestürzt hatte… All das kam gerade wieder hoch. Naomi war kurz vorm weinen, doch Satoshi nahm sie in den Arm um sie zu beruhigen. Ayumi sah das und wurde gleich eifersüchtig, wie konnte es Nakashima nur wagen, sich an IHREN! Mochida-kun ran zu machen! In so einer Situation! Sie wollte gerade etwas sagen, als es plötzlich anfing. Ein Erdbeben, und zwar kein kleines! „Los, alle unter die Tische!“ rief die Klassenlehrerin, welche das Teehaus beaufsichtigte, und die Schüler folgten sofort ihren Worten und versteckten sich. Wie lange sie wohl so bleiben mussten?

Langsam öffnete Kimiko ihre Augen. Was war passiert? Sie wusste noch, dass sie in ihrem Tee diese Spiegelung gesehen hatte, von diesem kleinen Mädchen mit rotem Kleid… und jetzt? Langsam setzte sie sich auf und sah sich um. „Was?“ Geschockt stellte die Schülerin fest, dass sie nicht mehr in dem Klassenzimmer der Kisaragi-Schule war. Hier sah es dazu viel zu anders aus. „Ich bin doch nicht…?!“ Erschrocken erhob sich das Mädchen und ging zu den Fenstern, doch nichts, sie konnte nichts sehen, es war alles schwarz! Und öffnen ließ sich dieses doofe Fenster auch nicht? So ein Mist aber auch! Sie blickte sich erneut in der Klasse um. Alles verfallen, die Stühle und Bänke ließen auf eine Grundschule schließen, aber… wie war sie hier her gekommen? Plötzlich kamen ihr die Worte der rätselhaften Stimme wieder in den Sinn… ‚Verschwinde… bevor es zu spät ist… verschwinde Kimiko…‘ Und plötzlich traf sie die Antwort wie ein Schlag. „Ich… ich bin in dieser Schule… aus meiner Vision…“